Offener Brief an die KAÖ-Präsidentin Mag. Gerda Schaffelhofer

(Gegenüber dem Original ca. um die Hälfte gekürzt)

 

Sehr geehrte Frau Mag. Schaffelhofer!

 

Der „kath-press“-Meldung vom 6. 2. 2015 entnehme ich dem Artikel „Beratung ausbauen" folgende Darstellung:

„Die KAÖ-Präsidentin hob zugleich hervor, dass die Streichung der eugenischen Indikation allein nicht genügt. Für die betroffenen werdenden Eltern sei die Aussicht, ein behindertes Kind zu bekommen, oft sehr belastend. Sie bräuchten Beratung und Unterstützung. Organisationen wie etwa die "Aktion Leben" bieten diese auch in entsprechender Qualität an; diese Beratung muss gefördert werden, so Schaffelhofer.“

Es ist Kennern der kirchlichen Feministinnen-Szene bekannt, dass die „Aktion Leben“ eine Untergliederung der “Katholischen Aktion“ ist, deshalb wundert es nicht, dass Sie der Meinung Ausdruck verleihen, die „Aktion Leben“ würde eine Beratung „in entsprechender Qualität“ anbieten.

Was aber sagen österreichische Bischöfe zur „Aktion Leben“?

Der Diözesanbischof von St. Pölten, DDr. Klaus Küng, zugleich österreichischer Familien-Bischof gibt zur „Aktion Leben“ folgende Stellungnahme ab:

„In mehreren Vollversammlungen habe ich allen Diözesanbischöfen dringend empfohlen, eine Entflechtung von der  „Aktion Leben“ vorzunehmen, die ja keine „Organisation der Kirche“ ist und nicht unbedingt katholisch (12. 3. 2012).

Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz redigierte eigenhändig einen in der katholischen Monatsschrift „Der 13.“ publizierten Artikel über die „satanische Verstrickung“ der Kirche durch die „ergebnisoffene“ Beratung der „Aktion Leben“ in den Pastoralämtern.

Entschieden hat sich auch Erzbischof Dr. Alois Kothgasser, gegen die „ergebnisoffene“ Beratung der „Aktion Leben“ ausgesprochen: „Eine ergebnisoffene Beratung im Namen der Kirche kann es nicht geben.“ („Rupertus Blatt“, 3. 10. 2004, S. 2).

Auch Weihbischof Dr. Andreas Laun ist die zwiespältige Rolle der „Aktion Leben“ bestens bekannt, die einerseits die „Fristenlösung“ befürwortet, andererseits sich in der Kirche eingenistet hat und deren Gotteshäuser für das Auslegen ihrer Werbeschriften missbraucht. Er erklärt: „Die Kultur des Lebens im Sinne von Johannes Paul II. wird in Österreich von der ‚Jugend für das Lebens‘ und von ‚HLI-Österreich‘ getragen, nicht von der ‚Aktion Leben Österreich‘“. 

Wenn Sie also schreiben, dass die „Aktion Leben“ eine Beratung in entsprechender Qualität“ anbietet, so muss dieser Stellungnahme nachdrücklich widersprochen werden!

Dies belegen zudem folgende Aussagen von „Aktion Leben“-Beraterinnen laut Bericht von Undercover-Ermittlerinnen der Detektei Schätz:

Einige Beraterinnen-Zitate, Frau Gerstbach, Wien: „Wenn Sie jetzt beim Partner bleiben, wie entscheiden Sie sich dann bezüglich der neuen Schwangerschaft“ … „Da würden Sie nicht schwanger bleiben wollen?“

Frau Mag. Grießl Salzburg: „Mifegyne, das wird im Krankenhaus gemacht“ …„Bis zur zwölften Woche straffrei, ja, das ist die „Gynmed“ am Samstag in Salzburg hier“ … „Der Ausgang ist ergebnisoffen, also, das ist jedem seine eigene Entscheidung“.

Frau Mag. Mayer, Linz: „Genau, Mifegyne, ich müsste dann nachschauen, beziehungsweise ob, wenn’s schon größer ist, muss eine Curettage auch gemacht werden.“ … „Ja, ich denke, das eine ist die Begleitung hin zur Abtreibung und Trauerarbeit“ … „Ich bin neutral und kann Sie nicht beeinflussen, ja oder nein“ … „Die Entscheidung ist dann noch bei Ihnen, weil das ist Ihr Körper“ … „In Wien, da wissen’S eh, da ist ein Fleischmarkt, da kann man das machen“.

Eine Beratung „in entsprechender Qualität“ ist hier nicht zu erkennen, vielmehr eine gewissenlose Auslieferung des ungeborenen Kindes an die Tötungsärzte!

Ein Blick in den Internet-Auftritt der „Aktion Leben“ hätte Sie eines Besseren belehrt, wo es in deren Selbst-Darstellung heißt, dass diese:

a) für die Beibehaltung der „Fristenlösung“ eintritt: „Die Verschärfung bestehender strafrechtlicher Bestimmungen ist nicht zielführend“ (http://www.aktionleben.at/faq), während der KKK fordert, dass Abtreibung gesetzlich bestraft werden „muss“ (2273),

b) auf ihrer Webseite betont: „Die Beraterinnen von Aktion Leben raten niemandem zu einem Kind oder gegen ein Kind“ (http://www.aktionleben.at/faq),

c) das „Post Abortion Syndrom“ als eine “Erfindung radikaler Gruppierungen“ leugnet (http://www.aktionleben.at/faq),

d) das Zeigen von Bildern ungeborener Kinder ablehnt und dies als „radikal“ und als „Belästigung“ bezeichnet“ (http://www.aktionleben.at/sindwirnicht),

 

Bezeichnend für die „Fristenlösungs“-Ideologie der „Aktion Leben“ ist deren Anbiederung an die radikalen Grünen- und SPÖ-Feministinnen, welche diese Allianz-Avancen zur gemeinsamen Vertreibung der Lebensschützer vor der Fleischmarkt-Klinik jedoch zurückwiesen.

Nachdem die „Aktion Leben“ von den radikalen Feministinnen eine Abfuhr erhalten hatte, bekräftigte Generalsekretärin Martina Kronthaler, dass die „Aktion Leben“ nicht nachvollziehen kann, dass sie angeblich „an der Fristenregelung rüttelt“. Verärgert über diese Zurückweisung hebt sie ihre Befürwortung der „Fristenlösung“ hervor und erklärt: „Die ‚Aktion Leben‘ hat bereits vor 20 Jahren öffentlich bekannt gemacht, die Fristenregelung nicht mehr zu bekämpfen“.

Die Lebensschützer von HLI (Human-Life-International) sind der „Aktion Leben“ ein Dorn im Auge, weil diese die „Fristenlösung“ strikt ablehnen, auf der Straße Modelle und Fotos von ungeborenen Kindern zeigen, was die „Aktion Leben“ als „radikal“ und „Belästigung“ herabsetzt, wodurch die Pro-Lifer aber tausende ungeborene Kinder und die psychische Gesundheit deren Mütter retten konnten, während die Beraterinnen der „Aktion Leben“ warten, bis sich jemand in ihre, meist von der Kirche finanzierten Beratungsstellen wagt.

Wäre es diesen vereinten Befürworterinnen der „Fristenlösung“, Grünen-, SPÖ- und „Aktion Leben“-Feministinnen gelungen, die Gehsteigberater vor der Fleischmarkt-Klinik zu vertreiben, so hätten diese nicht ein Baby retten können, für dessen Abtreibung die Caritas der Erzdiözese Wien bereits 100 € „Sozialtarif“ bezahlt hat. Ein Schreiben dieses Inhaltes fiel den Pro-Lifern in die Hände und wurde mehrfach von Gloria.TV und anderen Medien publiziert, ja sogar von mir persönlich Kardinal Dr. Christoph Schönborn ausgehändigt, der sagte: „Ich werde mir das anschauen“ obwohl ihm dieses historische Dokument der Mitwirkung der Kirche an der Massenvernichtung der ungeborenen Kinder längst bekannt ist.

Die Webseite des Familienministeriums stellt den Zusammenhang zwischen der „Fristenlösung“ und den „Familienberatungsstellen“ selbst her: „Die Förderung der Familienberatungsstellen wurde 1974 als Begleitmaßnahme zur Fristenlösung etabliert.“ (https://www.familienberatung.gv.at/faqs/). Damit ist die Unterstützung und Aufrechterhaltung der „Fristenlösung“ durch die unter kirchlicher Trägerschaft stehenden Familienberatungsstellen erwiesen!

Somit beruft sich das Ministerium paradoxer Weise auf die in kirchlicher Trägerschaft stehenden Familienberatungsstellen, wohl wissend, dass diese entgegen der kirchlichen Lehre an der „Fristenlösung“ mitwirken und aus der geförderten Familienberatung aussteigen müssten, wenn Änderungen der „Fristenlösung“ durch Einführung von Beratungs-Kriterien und Trennung von Beratung und Abtreibung erfolgen würden! Die finanziellen Aspekte spricht das Ministerium dabei offen an, denn die „Förderung“ bedeutet Geld und Macht!

 

Früher oder später wird sich die Kirche Österreichs und deren „Katholische Aktion" für diese Mitwirkung an der Massenvernichtung der ungeborenen Kinder verantworten müssen!

 

16. Februar 2015,
Dr. Josef Preßlmayer

 

Download des Briefes:
Offener Brief Dr Preßlmayer.pdf
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